In seinem zweiten Einsatz als 007 muss Pierce Brosnan den größenwahnsinnigen Medienmogul Elliot Carver stoppen, der einen Krieg zwischen China und Großbritannien provozieren will, um sich die exklusiven Senderechte im Reich der Mitte zu sichern.
Stärken
Am Puls der Zeit
Die Grundidee des Films passt sehr gut in die 90er-Jahre und die Brosnan-Ära. Themen wie Medienmanipulation und die Kontrolle über moderne Technik waren 1997 brandaktuell und sind heute relevanter denn je. Pierce Brosnan ist nach seinem starken Debüt in GoldenEye nun vollends in der Rolle angekommen. Besonders für Fans wird durch die vertraute Routine – das Geplänkel mit Moneypenny und das Briefing bei M – sofort die klassische Bond-Atmosphäre geschaffen.
Eröffnungsszene
Der Film startet furios mit einer spektakulären Pre-Titel-Sequenz. Die Action ist hochgradig spannend, perfekt choreografiert und besitzt ein ordentliches Tempo. Der Abschluss mit dem Schleudersitz, gepaart mit trockenem Humor und einem treffenden Oneliner, bietet ein absolut bond-würdiges Finale für den Einstieg.
Wai Lin
Mit Michelle Yeoh als Wai Lin bekommt Bond ein Gegenüber auf Augenhöhe. Sie ist weit mehr als das klassische „Bond-Girl“, das gerettet werden muss. Dank ihrer Kampfkunst-Expertise und physischen Präsenz bringt sie eine neue Qualität in die Action-Szenen und ist 007 in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zwar gab es mit Anya Amasova in Der Spion, der mich liebte oder auch mit Pam Bouvier in Lizenz zum Töten und auch in anderen Filmen starke Frauen, aber Wai Lin bringt hier deutlich eine neue Facette ein.
Stealth-Boot & Soundtrack
Das Stealth-Boot fügt sich als typische, technisierte Bedrohung perfekt in das „Bigger than life“-Konzept ein. Auch musikalisch markiert der Film einen Wendepunkt: David Arnold gibt einen starken Einstand. Er kehrt zu den klassischen Barry-Elementen zurück und liefert einen orchestralen Sound, der nach dem eher experimentellen GoldenEye-Score wieder echtes Bond-Feeling aufkommen lässt.
Beste Szene
Zweifellos die Szene, welche auch nach dem Film bei den Zuschauern lange im Gedächtnis bleibt, die Parkhaus-Verfolgungsjagd mit dem BMW 750iL. Auch wenn die Szene fast schon zu „sauber“ und wie eine reine Gadget-Vorführung wirkt, ist die Fernsteuerung des Wagens vom Rücksitz aus eine der kreativsten und unterhaltsamsten Action-Sequenzen der Brosnan-Ära.
Schwächste Szene
Der versuchte Tiefgang mit Paris Carver. Die Vergangenheitsgeschichte zwischen Bond und Carvers Ehefrau Paris wirkt gehetzt und wenig glaubwürdig. Dieser Nebenstrang ist so kurz abgehandelt, dass er dem Film keinen echten emotionalen Mehrwert bietet. Man hätte ihn auch weglassen können. Es hätte auch so funktioniert, wenn Bond Carvers Ehefrau ohne eine gemeinsame Vergangenheit verführt hätte.
Bond-Faktor
Der Film agiert sehr sicher innerhalb der bekannten Bond-Muster oder typischen Bond-Klischees. Wir haben den großen Gegner, die Gadgets, den typischen Aufbau (Moneypenny, M-Briefing, Q-Briefing etc.). Allerdings fehlt dem Film über weite Strecken die dichte Atmosphäre eines echten Klassikers. Vieles ist doch sehr episodenhaft. Die Bösewichte rund um Elliot Carver, Stamper und Dr. Kaufman wirken im Vergleich zu den Vorgängern leider sehr stereotyp, ohne den nötigen Reiz zu versprühen. In GoldenEye waren die Bösewichte interessanter und verrückter. Im Nachfolgefilm hat man versucht, mehr Ernst und Bedrohlichkeit in die Figuren zu packen, was teilweise über das Ziel hinausgeht und überzogen wirkt.
Es ist ein solider Bond-Film, der jedoch für mich zu sehr an der Standardformel hängt. Vor allem die Bösewichte schneiden hier schlecht ab. Trotz guter Ausgangslage und Story bleibt der Film daher nur Durchschnitt mit 3 von 5 Martinis.
🍸🍸🍸
Film-Faktor
Als eigenständiger Action-Streifen der 90er funktioniert der Film hervorragend. Er ist kurzweilig, bietet ein hohes Tempo und erstklassige Stunts. Wer kein eingefleischter Fan ist, wird hier bestens unterhalten, auch wenn das Werk insgesamt etwas „kalt“ wirkt und recht episodenhaft von Schauplatz zu Schauplatz springt. Für Action-Fans gibt es 4 von 5 Sternen.
⭐⭐⭐⭐
Fazit
„Der Morgen stirbt nie“ ist ein moderner, rasanter Action-Thriller, der mit einem souveränen Pierce Brosnan und einer starken Michelle Yeoh punktet. Während die Story über die Macht der Medien visionär ist, krankt der Film etwas an seinen blassen Antagonisten und der zu strikten Formelhaftigkeit. Ein gelungener Einstand für Komponist David Arnold, aber im direkten Vergleich zum Vorgänger GoldenEye bietet er zu wenig Neues.
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