Review – Stirb an einem anderen Tag (2002)

Im 20. Bond-Jubiläum muss Pierce Brosnan als 007 nach einer monatelangen Gefangenschaft in Nordkorea auf eigene Faust einen Verräter in den eigenen Reihen finden. Dabei stößt er auf einen größenwahnsinnigen Millionär und eine tödliche Satelliten-Waffe im All.

Der letzte Film mit Pierce Brosnan feierte gleich zwei Jubiläen: Zum einen ist es der 20. Film der Reihe, zum anderen kam exakt 40 Jahre zuvor mit Dr. No der allererste Bond ins Kino.

Stärken

Bigger than Life & Jubiläums-Verweise

Zum 40-jährigen Jubiläum der Reihe wollten die Macher 2002 alles: Mehr Action, mehr Gadgets und vor allem eine endlose Liste an Hommagen. Der Film ist ein wahres Fest für Fans, wenn es um Zitate geht. Ob Halle Berrys ikonisches Auftauchen aus dem Meer (analog zu Ursula Andress in Dr. No), der Satellit aus Diamantenfieber oder die legendäre Spiegelszene aus dem Hotel, die auf Liebesgrüße aus Moskau anspielt – der Film atmet Bond-Geschichte.

Die Eröffnungsszene (Pre-Title)

Der Film beginnt extrem stark und bietet eine der besten Pre-Title-Sequenzen der Brosnan-Ära. Die verdeckte Operation in Nordkorea inklusive der Surfszene ist klassisches Agentenhandwerk. Die anschließende Hovercraft-Jagd im Stützpunkt von Colonel Moon ist rasant, perfekt inszeniert und bietet tolle Actionszenen. Wie in allen Brosnan-Bonds hat auch dieser Vorspann einen direkten Bezug zum späteren Film. Zudem endet er mit einem echten Novum: Bond scheitert, wird enttarnt und gerät in Gefangenschaft. Ein mutiger und gelungener Einstieg.

Bond auf eigene Faust

Der „Zausel-Look“ nach 14 Monaten Folter und Bonds anschließende Flucht, um seinen Namen reinzuwaschen, bringen eine neue Tiefe in den Charakter. Dass ein Auftrag von Bond so fundamental schiefgeht und er auf eigene Faust und Motivation nach dem Verantwortlichen sucht, ist ein starker Kniff. Die Ermittlungen führen ihn von Hongkong über die atmosphärische Schönheitsinsel in Kuba bis nach London. Die erste Hälfte des Films ist absolut stimmig, spannend und bietet klassisches Agenten-Feeling pur.

Miranda Frost, der Fechtclub & die Action

Rosamund Pike liefert als Miranda Frost eine hervorragende Performance ab. Ihre kühle, distanzierte Art passt perfekt zum Namen und macht sie zu einem deutlich spannenderen Charakter als das eigentliche Bond-Girl Jinx. Die Fechtszene im Londoner Club ist zudem eines der absoluten Action-Highlights des Films – intensiv, traditionell choreographiert und zieht den Zuschauer komplett in seinen Bann. Auch die spätere Autoverfolgungsjagd auf dem Eis mit dem Aston Martin ist eine spektakuläre, so nie dagewesene Szene.

Q-Branch

Der Besuch bei Q gehört sicherlich zu den absoluten Highlights des Films. Auch wenn das Auto zum Schluss womöglich einen Schritt zu weit geht, ist die Werkstatt ein wahres Meer aus Nostalgie. Den Aktenkoffer aus Liebesgrüße aus Moskau, den Magnetschuh oder den Mini-Jet aus Octopussy wiederzusehen, lässt jedes Fan-Herz höher schlagen. Es ist die perfekte Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart – selbst wenn sich beim unsichtbaren Auto bis heute die Geister scheiden.

Schwächen

Überladen & Überzogen

Wie eingangs erwähnt, wollten die Macher für das Doppeljubiläum alles bisher Dagewesene übertrumpfen. Doch an vielen Stellen ist der Film schlicht überzogen – selbst für einen Bond-Film. Die Macher sind hier des Öfteren über das Ziel hinausgeschossen: Sei es der erzwungene Herzstillstand, das brennende Flugzeug oder die virtuelle Liebesszene mit Moneypenny.

Das CGI-Desaster

Für diesen Film setzten die Macher im Vergleich zu früheren Teilen verstärkt auf computergenerierte Effekte (CGI). Konnten in GoldenEye noch geniale Miniaturbauten (Severnaya, Satellitenschüssel) in Kombination mit Realaufnahmen vollends überzeugen, so enttäuschten die Effekte in Stirb an einem anderen Tag selbst für damalige Verhältnisse. Der dahinschmelzende Eispalast oder das brennende Flugzeug wirken künstlich. Dass man aus diesen Fehlern gelernt hat, sah man glücklicherweise vier Jahre später in Casino Royale, wo CGI wieder unsichtbar eingesetzt wurde.

Das Finale im Flugzeug

Leider wird das Finale durch mehrere Faktoren heruntergezogen. Zum einen stört der billig und fast schon trashig wirkende Anzug von Bösewicht Gustav Graves. Zum anderen enttäuschen die schlechten Animationen des brennenden Flugzeugs sowie das gesamte Set-Design der Zentrale. Das Finale mag einfach nicht so recht überzeugen.

Beste Szene

Konfrontation im Botanischen Garten

Für mich die beste Szene des Films: Bond enttarnt Colonel Moon (alias Gustav Graves) und flüchtet anschließend aus dem Botanischen Garten. In dieser Szene merkt man Bond die pure Anspannung und seine Rachegelüste förmlich an. Zudem enthält sie einen genialen doppelten Twist: Nicht nur die wahre Identität von Moon wird enthüllt, sondern auch die des Verräters in Nordkorea, der Bond 14 qualvolle Monate in Gefangenschaft beschert hat, nämlich die eiskalte Miranda Frost.

Der spannende Dialog wird hierbei durch eine spektakuläre Flucht abgerundet, die für mich das eigentliche Highlight der Szene darstellt. Nach dem Verrat reagiert Bond gedanklich blitzschnell: Er erinnert sich an seinen Gadget-Ring, provoziert Zao ganz bewusst, damit dieser ihn zu Boden wirft, und zertrümmert den Glasboden, um anschließend erfolgreich über das Dach zu flüchten.

Schwächste Szene

Die berüchtigte Tsunami-Surf-Szene in Island. Hier hat man den Bogen komplett überspannt. Die CGI-Effekte wirken unfassbar billig und reißen den Zuschauer komplett aus der Immersion. Zusammen mit den absurdesten Gadgets markiert dies den Moment, in dem der Film handwerklich und inhaltlich den Boden unter den Füßen verliert.

Bond-Faktor

Der Film ist ein zweigeteiltes Erlebnis. In der ersten Hälfte zeigt sich Pierce Brosnan in Topform: Souverän, verletzlich und eiskalt. Der Film sprudelt förmlich vor Bond-Elementen: Unzählige Gadgets, exotische Locations und tolle Action. Doch in der zweiten Hälfte kippt das Ganze. Das Set des Eispalastes wirkt leider oft wie Plastik oder Pappmaché und erreicht nie die Wertigkeit eines klassischen Ken-Adam-Sets. Zudem wird man mit der Besetzung von John Cleese als Q nicht recht warm und das amerikanische NSA-Pendant zu M wirkt eher wie eine nervige Parodie. Dennoch: Als Jubiläumswerk stecken hier alle klassischen Elemente drin und der Film erhält 3 von 5 Martinis.

🍸🍸🍸

Film-Faktor

Auch ohne das Bond-Franchise bekommt man hier für Gelegenheitszuschauer ein buntes, wenn auch überdrehtes Action-Spektakel. Die erste Hälfte funktioniert als Agentenkrimi hervorragend, während die zweite Hälfte durch schwache CGI-Effekte und ein unübersichtliches Finale im Flugzeug deutlich abfällt. Die Action ist oft zu „sauber“ choreographiert und wirkt stellenweise wie eine bloße Abarbeitung von Gadgets. Dennoch bleibt es ein unterhaltsamer, wenn auch handwerklich unebener Blockbuster mit 3 von 5 Sternen.

⭐⭐⭐

Fazit

Mit „Stirb an einem anderen Tag“ wollten die Macher einfach zu viel auf einmal. Der Film beginnt als packender, moderner und innovativer Agententhriller und endet als überladenes CGI-Spektakel, das den Bogen deutlich überspannt. Während die erste Hälfte, die Action auf dem Eis und die vielen Hommagen glänzen, trüben das schwache Set-Design in Island und die technischen Mängel den Gesamteindruck. Ein Film zwischen Genie und Wahnsinn, der die Brosnan-Ära mit einem lauten, aber unebenen Knall abschließt.

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